#51 Im Gespräch mit Nicol Grass | Bereichsleitung in der Jugendhilfe
Shownotes
Was wäre, wenn Professionalität nicht heißt, keine Emotionen zu haben – sondern gut mit ihnen umgehen zu können? In dieser Folge spricht Business Coach Melanie Bödecker mit Nicol Grass, Bereichsleitung in der Jugendhilfe. Nicol erzählt von den besonderen Herausforderungen in einem Arbeitsfeld, in dem Kinder, Jugendliche, Eltern, Jugendämter und pädagogische Teams zusammenkommen – und in dem es oft um sehr viel geht: Kindeswohl, Loyalität, Belastungsgrenzen und schwierige Familiensituationen. Ihr bekommt Einblicke in Führungsarbeit in der Jugendhilfe, in den Umgang mit emotional anspruchsvollen Situationen und in die Frage, was Teams brauchen, um handlungsfähig zu bleiben: Kommunikation, Supervision, Vertrauen, kleine Rituale, Haribo, Pizza – und manchmal auch laute Musik im Auto. 🎧 Ideal für alle, die in sozialen, pädagogischen oder leitenden Rollen arbeiten und einen ehrlichen Impuls zu Emotionen, Psychohygiene und Teamstärkung brauchen.
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Transkript anzeigen
00:00:03: Acht voll, dein täglicher Business-Atemzug.
00:00:11: Acht volle Minuten Inspiration durch Meditation von und mit Business Coach Melanie Bödeker Im Gespräch mit
00:00:20: Nicole.
00:00:21: Hallo Nicole wer bist du?
00:00:22: was machst du?
00:00:24: Ich bin Nicole ich bin Ende vierzig ich arbeite in der Jugendhilfe und bin nebenher selbstständig.
00:00:31: Du arbeitest in der Jugendhilfe.
00:00:34: Was machen da?
00:00:35: Ich arbeite in einer Jugendhilfe-Einrichtung und bin dort in einer Leitungsposition als Bereichsleitung.
00:00:42: Mit wem hast du dann zu tun?
00:00:43: Mit Kindern, mit ...?
00:00:45: Ich habe sowohl mit Kindern, aber auch viel mit Eltern und Jugendämtern begleitet.
00:00:50: Viel Teams also viel auch die Begleitung von KollegInnen.
00:00:54: Wie viele
00:00:55: Menschen leitest du denn?
00:00:57: Bei mir sind es aktuell an den Sechzehn, siebzehn Leute.
00:01:01: Das ist ja schon gute Größe.
00:01:05: Die darf man auch schon irgendwie ein bisschen im Blick behalten.
00:01:09: Da ist auch jeder bei, so mit seinen eigenen Themen, seinen eigenen Wünschen und seinen eigenen Fähigkeiten und auch mit ihren eigenen Themen wo er gegebenenfalls nochmal ein bisschen Unterstützung macht.
00:01:20: Jugendhilfe stelle ich mir auf mehreren Ebenen irgendwie anspruchsvoll vor, also auch herausfordern.
00:01:28: Du hast ja gerade schon gesagt du hast mit so vielen verschiedenen zu tun, also einmal die KollegInnen aber auch Eltern und Jugendämter sind ja so viele Menschen involviert.
00:01:39: am Ende geht es ja darum auch ums Kindeswohl.
00:01:43: wo siehst du da die größten Herausforderungen?
00:01:45: Die größten Herausforderungen sind meistens, also tatsächlich wie du es auch sagst auf verschiedenen Bereichen.
00:01:52: Zum einen sind die Wünsche und Interessen, die ein Kind selber oder ein Jugendlicher selber hat häufig anders als die Eltern haben oder die wir auch als Fachkräfte einfach sehen.
00:02:04: Das ist aber wiederum übereinzubringen mit dem Thema Kindeswohl.
00:02:09: das passt auch nicht immer zusammen.
00:02:10: Also Kinder sind halt haben eine große Loyalität ihren Eltern gegenüber.
00:02:16: Und da ist für die in erster Linie ganz häufig das Kindeswohl nicht das Wichtigste, was aber für uns häufig wichtig ist.
00:02:22: Eltern, die Problematiken manchmal einfach anders sehen und auch an den Rand ihrer Kapazitäten kommen häufig und deswegen das Kindesswohl gegebenenfalls aus dem Blick verlieren weil sie aber auch nicht anders können, weil ja einfach da keine Kräfte mehr da sind oder auch keine Idee davon ist wie man es anders lösen kann.
00:02:40: Und auf der dritten Seite natürlich auch die Pädagoginnen, die einfach Kinder und Jugendliche begleiten.
00:02:48: Dass wohl das Kindes sehen aber auch die Not des Kindes einfach sehen oder das Jugendlichen sehen und manchmal trotzdem auch an die Grenzen stoßen und nicht soweit helfen können wie sie gerne helfen wollen würden.
00:03:00: Du hast ja gerade schon gesagt, ich höre da auch so ein großes Herz für die Eltern.
00:03:06: Die vielleicht auch nicht anders können oder das selber nicht gelernt haben heraus aber man ist trotzdem mit diesen Geschichten konfrontiert.
00:03:14: wie geht ihr denn damit eigentlich um?
00:03:17: Das ist sehr unterschiedlich.
00:03:18: also zum einen ist es viel das Thema untereinander Kommunikation Also gerade die Teams brauchen einfach noch mal ein Ansprechpartner.
00:03:28: Die Teams brauchen einfach auch das Thema Supervision, damit sie da einfach noch mal einen Ort haben wo sie auch außerhalb von mir als Leitung nochmal eine gute Begleitung bekommen und auch nochmal ungefiltert gegebenenfalls Sachen einfach loslassen können.
00:03:42: Es braucht aber auch die Unterstützung, die Teams beziehungsweise die KollegInnen immer wieder auf die sachlichen Ebene zurückzuholen und zu sagen okay dann müssen wir mal bildlich gesprochen einfach auf die Gardini-Stange hoch und müssen uns die Sachen von dort anschauen.
00:03:55: Und das bedeutet es manchmal einfach auch für mich, weil ich begleite ja diese Familie mit.
00:03:59: Auch ich kriege diese Geschichten mit und die Familiengeschichten, die einfach dahinter stecken da immer wieder gucken alles klar so ist die Situation jetzt.
00:04:08: aber wie können wir jetzt schauen dass wir der Familie gerade daraus helfen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten und in dem Rahmen was sie auch selber leisten möchten und können?
00:04:18: Diese Emotions... Leiter, die man da hoch und runter läuft von Freude wenn auch was gut gelaufen ist.
00:04:26: Und wenn Kinder auch aus der Institution heraus vielleicht richtig super Wege machen bis hin zu wirklich Wut über Geschichten, über Situationen Die vielleicht ja alle, die dabei waren nicht anders Händeln konnten aber die natürlich auch manchmal richtig furchtbar sind.
00:04:48: Was macht das mit euch?
00:04:51: Ich glaube, wir arbeiten oder ich arbeite in einem Berufsfeld wo Emotionen normal sind und auch zum Alltag mit dazugehören.
00:04:58: Und wie Emotion nicht ganz wegschieben können.
00:05:01: Es geht einfach nicht die Gehirn dazu trotz aller Professionalität.
00:05:07: aber nach einer gewissen Phase der Frustration des Hüttenseins muss man auch wieder sagen können, alles klar.
00:05:14: Und jetzt gucken wir mal wie können die Situation lösen?
00:05:17: Und trotzdem gibt es manchmal Situationen, die wir nicht lösen können.
00:05:20: aber gerade dann braucht das einfach für einen selber Mechanismen womit man da im Freizeitbereich damit umgehen kann.
00:05:28: Sei es dass man zum Sport geht sei ist dass man sagt ich höre nochmal laut Musik.
00:05:34: für mich ist immer ein Mittel.
00:05:35: Ich habe immer meine Playlist im Auto quasi, wo ich da noch mal laut Musik anmache und gegebenenfalls auch mal mitgröle.
00:05:42: Und dann vielleicht auch das eine oder andere Schimpfwort mal fließt.
00:05:44: und ich finde, dass darf auch sein.
00:05:46: tatsächlich denn irgendwo müssen auf unsere Sachen einfach hin.
00:05:49: Psychogegene durch laute Musik?
00:05:52: Ja zum Beispiel!
00:05:53: Hast du da einen Song den dir empfehlen kannst für so wenn es mal richtig hart auf hart kommt?
00:05:59: Von Tiktok durch?
00:06:00: find dich scheiße
00:06:03: Habt ihr denn auch irgendwie so ein Team-Ritual oder so, um mit so knusprigen Situationen, wie ich es ja gerne nenne, irgendwie umzugehen?
00:06:11: Dann gibt's meistens Haribo.
00:06:13: Dass eigentlich sowas Süßes und auch als Aufmutterung einfach für die Teams mal gut ist.
00:06:17: Oder beim Teentag wirklich auch mal sagen Ja wir haben jetzt hart gearbeitet aber in der Mittagspause machen wir jetzt keine halbe Stunde sondern eine Stunde und wir gehen mal zusammen eben bei dem Italiener um die Ecke ne Pizza essen oder so So.
00:06:28: und ich finde es auch wichtig, dass die Teams so aufgestellt sind.
00:06:31: Dass sie sich untereinander so vertrauen, dass wenn einer einfach mehr gerade von der Situation angeteasert ist, dass er das auch im Team benennen kann.
00:06:39: Ich habe unter anderem ja eine Inobbutnamengruppe für dich zuständig bin wo wir viele Familien Schicksale im Laufe des Jahres haben Und da finde ich das ganz, ganz wichtig.
00:06:50: Dass die Kollegen sich untereinander so vertrauen, dass sie sich unteneinander einfach auch sagen können oder auch mir sagen können hey, das ist eine Story!
00:06:56: Da kann ich gerade gar nicht mit umgehen.
00:06:57: Dann muss ich in Schritschen für mich zurücktreten und ich find' es muss auch sein, darf auch sein.
00:07:01: Anders geht's nicht.
00:07:03: Nicole mal angenommen Ich schenke dir eine Bank und ihr kannst du hinstellen wo du willst und die bekommt so ne kleine Plakette und dann kannst du so nen Spruch drauf
00:07:13: schreiben
00:07:14: was würde auf deiner Bank stehen?
00:07:17: Ich glaube, es würde so was draufstehen wie wenn ihr das Leben eine Zitrone gibt macht Limonade draus.
00:07:23: Irgendwie gibts immer ne Möglichkeit auch negative Dinge zum Positiven zu drehen oder irgendwas für sich mitzunehmen.
00:07:30: Es gibt auch immer unangenehme Gespräche und Situationen wo man Sachen liegen lassen kann, wo man Sache mitnehmen kann.
00:07:36: Und die Sachen die man mitnehmen können, die kann man auch immer noch zukünftig für sich und sein Leben in irgendeiner Form weiter verwerten.
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